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Datenschnüffelei: Von Online-Tracking bis Retargeting – das Wörterbuch des Grauens

Datenschnüffelei: Von Online-Tracking bis Retargeting – das Wörterbuch des Grauens
| Redaktion

Online-Marketing-Experten versuchen, den vernetzten Kunden effizient zu erreichen und Werbebotschaften so passgenau wie möglich zu verbreiten. Was aus Marketingperspektive sinnvoll ist, um Werbung möglichst gezielt auszusteuern, bedeutet jedoch für Sie als Internetnutzer vehemente Eingriffe in Ihre Privatsphäre.

Denn die Grundlage für personalisierte Werbung ist Online-Tracking – die Sammlung großer Mengen teilweise intimer Daten, durch die ein genaues Persönlichkeitsprofil von Ihnen erstellt wird. Das folgende Wörterbuch erklärt, was Online-Marketing-Begriffe wie „Tracking“, „Behavioral Targeting“ oder „Real Time Advertising“ für Sie und Ihre Daten bedeuten.

Cookies und Tracking: Markieren und verfolgen

Cookies klingen lecker, können aber eine klebrige Angelegenheit sein. Sie gehören zu einer ganzen Reihe von Techniken des Online-Trackings, mit denen Sie markiert und später auf anderen Webseiten wiedererkannt werden – auch geräteübergreifend. Viele dieser Markierungstechniken sind dabei so raffiniert, dass sie nicht einfach gelöscht werden können oder sich nach dem Löschen sogar automatisch selbst wiederherstellen.

Grundsätzlich bedeuten Cookies oder andere Techniken nicht automatisch eine Gefahr für Ihre Privatsphäre, solange sie nicht zur Bildung webseitenübergreifender Nutzerprofile verwendet werden. Cookies sind also nicht per se gefährlich, zumal ohne sie viele Funktionen nicht umsetzbar wären – wie die Merkzettelfunktion in Onlineshops. Zu den gefährlichen Techniken des Online-Tracking gehören diejenigen, die Anbieter auf Ihre Festplatte einschleusen und gegen die Sie sich mit einfachen Mitteln kaum wehren können.

Tracking hat nichts mit Wandern zu tun – außer Sie werden beim Wandern gerne verfolgt. Online-Tracking-Systeme sind Ihr ständiger Begleiter auf Ihrem Weg durch das Internet, ohne dass Sie es bemerken. Diese Systeme speichern sämtliche von Ihnen im Internet abgerufenen Informationen in Ihrem Nutzerprofil. Solange Sie nur von der besuchten Website getrackt werden und Ihre Daten nicht an Dritte weitergegeben werden, ist das für Ihre Privatsphäre noch relativ unproblematisch.

Brisant wird es, wenn Online-Tracking-Technologien Sie über so genannte Drittanbieter und damit über sämtliche besuchten Websites hinweg ausspionieren, was eher die Regel als die Ausnahme ist. Drittanbieter-Dienste wie Google Analytics leiten aus Ihrem Surfverhalten nicht nur Ihre Kaufinteressen ab, sondern auch, ob Sie die Aufnahme eines Kredites planen, welcher politischen Richtung Sie nahestehen oder in welcher gesundheitlichen Verfassung Sie sich befinden.

Das Gold des Online-Marketings: Nutzerprofile

Nutzerprofile sind das Gold des Online-Marketings. Sie werden zum Beispiel von Google und Facebook gebildet und mit Ihrer Person verknüpft, wenn Sie ein Google- oder Facebook-Konto besitzen. Viele Websites nutzen Dienste wie Google Analytics oder Facebook Social Plugins. Diese Dienste melden aber gleichzeitig sämtliche Seiten, die Sie aufrufen, an die Internetkonzerne zurück. So entsteht ein umfassendes Persönlichkeitsprofil von Ihnen, das sogar Ihre Mausbewegungen oder Tastatureingaben enthalten kann.

Wurden Sie schon einmal versteigert? Nichts anderes passiert beim Real Time Bidding, was in dem harmloseren Ausdruck Real Time  oder Programmatic Advertising inzwischen eine neue Bezeichnung gefunden hat. Dabei bieten Werbetreibende auf Sie und Ihr Profil, und zwar in Echtzeit. Webseiten versteigern Sie also als potenziellen Kunden in Millisekunden an den Höchstbietenden. Derjenige, der das höchste Gebot auf Ihr Profil abgibt, darf seine Werbung an Sie ausliefern.

Déjà-vu-Effekt durch Online-Tracking: Wenn die Werbung Sie verfolgt

Das Retargeting ist ein Spezialfall des Real Time Bidding. Dabei geht es darum, entgangene Kunden im Internet zu finden und sie mit Produkten zu bewerben, die sie sich vorher bereits angeschaut haben. Retargeting ermöglicht es also, Besucher einer Shopping-Website auf fremden Webseiten wiederzuerkennen und ihnen zuletzt angesehene Produkte als Werbung anzuzeigen. In der Folge sehen Sie auf unterschiedlichen Websites dieselbe Werbung, die Sie dann regelrecht verfolgt.

Ein Beispiel: Sie haben ein Mittel gegen Blasenschwäche bei einer Online-Apotheke recherchiert, aber nicht gekauft. Nun kann die Online-Apotheke über das Retargeting-System von Google einstellen, wie viel es ihr wert ist, dass Ihnen Werbung zu Blasenschwäche angezeigt wird. Wenn jetzt beispielsweise ein Pharmahersteller für Sie ein höheres Gebot abgibt, wird dessen Werbung eingeblendet.

Behavioral Targeting klingt gefährlich und ist es tatsächlich auch, denn dahinter steckt nichts anderes als die genaue Analyse Ihres Surfverhaltens im Sinne einer optimalen Werbeaussteuerung. Für Werbetreibende ist Behavioral Targeting eine willkommene Methode zum gezielten Anvisieren eines Nutzers anhand seines Surfverhaltens und den daraus prognostizierten Vorlieben. Online-Tracking ermöglicht ein individuelles Verhaltensprofil von Ihnen, das kontinuierlich wächst.

Um Sie als Käufer zu gewinnen, wird die Onlinewerbung auf Basis der von Ihnen gesammelten Daten genau auf Ihre Interessen abgestimmt. Haben Sie beispielsweise häufig in einer Suchmaschine nach Tipps zur Finanzierung gesucht, bekommen Sie deshalb auf anderen Webseiten Werbung für Onlinekredite angezeigt.

Wie sich Online-Tracking auf die angezeigten Preise auswirkt

Dynamic Pricing ist, wenn die Bedienung Ihnen den Kaffee teurer verkauft, nur weil Sie sehr gut angezogen sind. Doch genau so gehen Onlineshops mittels Online-Tracking vor. Aufgrund Ihrer Profildaten wird Ihre Kaufkraft berechnet, und Ihnen wird genau der Preisangeboten, der den Gewinn des Händlers maximiert. So zahlen Sie aber oft mehr,als Sie es ohne die gesammelten Daten tun würden. Sie möchten etwa einen Kopfhörer über Ihr iPad bestellen und werden über Ihre Gerätedaten problemlos als Apple-Anwender erkannt. Da Ihre Kaufkraft im Unterschied zu einem Android-Nutzer höher eingeschätzt wird, bekommen Sie einen höheren Preis angezeigt als jemand, der das gleiche Produkt über einen PC recherchiert.

Diese Art von Online-Tracking ist nur ein Beispiel, wie das immer feinere Profil handfeste Auswirkungen auf den Nutzer hat. Auch auf die Kosten für Krankenversicherungen oder Zinssätze und Gebühren bei Krediten können sich Persönlichkeitsprofile in Zukunft auswirken.

Wenn Sie sichergehen möchhten, dass Ihre Privatsphäre im Internet geschützt ist und die Erstellung eines Persönlichkeitsprofils über Sie verhindert wird, verwenden Sie den eBlocker – die intelligente Lösung versteckt die IP-Adresse und blockiert Datensammler und Werbung für alle Geräte in Ihrem Heimnetzwerk.

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